Um sich der Interpretation von
Symbolen auf wissenschaftliche Weise nähern zu können, bedarf es also einer
Klassifizierung, die empirisch Untersuchungen zulässt.
So kann man bspw. in:
a) logische Symbole (alpha-numerische Zeichen
und Sonderzeichen)
b) Verkehrs-/Zeichen, Schilder, Farben
c) symbolische Handlungen oder Gesten
d) Lautsymbolik, Lautmalerei
e) symbolische oder sprechende Namen und
f) dichterische (literarische) Symbole und
g) allgemein-kulturspezifische Symbole
unterscheiden.
Demnach sind Symbole
entsprechend dieser Einteilung einem bestimmten Ursprungs- und/oder Verwendungszweck
zuzuordnen.
In der Symbolforschung wird noch
zum Interesse der Untersuchungen gemacht, welche Motivierungen und Beziehungen
Symbole, ihrem Ausdruck nach, aufweisen können. Hier können Anleihen aus der
Sprachwissenschaft[1]
übernommen werden. Damit lässt sich zunächst folgende Einteilung nach der
Struktur festhalten:
a) analogisch - das Symbol steht für ein
„genauso wie“
b) synekdochisch - das Symbol wird zum
„spezialisierten Stellvertreter“ einer übergeordneten Kategorie[2]
c) metonymisch - das Symbol wird zum auf einen
anderen Begriff verschobenen Statthalter[3]
,
d) metaphorisch - das Symbol wird zu einem
bildhaften Gleichnis („als wie“) - ein Symbol wird dabei allerdings nicht zur
Metapher, es weist lediglich eine metaphorische Struktur auf.
e) antonomasisch – das Symbol versinnbildlicht einen Eigenname oder
eine Eigenschaft als Gattungsbegriff (oder umgekehrt)[4]
f) kryptographisch
– als unklares, bislang unfassbarer Symbolinhalt, dessen Bedeutung noch nicht
bekannt ist
g) euphemistisch – ein Symbol kann einen
tabuisierten Inhalt „beschönigt“ darstellen[5]
oder
h) pejoratorisch – die Verkehrung eines
neutralen Sachverhaltes in eine negative symbolische Darstellung oder
Interpretationszusammenhang[6]
i) prosopopoietisch – als „Vermenschlichung“
eines Gegenstandes, die Übertragung von menschlichen Eigenschaften auf
Gegenstände und Symbole[7]
Hier werden
also aus der Sprachwissenschaft und Rhetoriktheorie gewonnene Einteilungen und
Klassifizierungen übernommen, um der Wahrnehmung und den In-Begriffen des Symbols
im Verständnis näher zu kommen. Es ist also zu bedenken, dass die o.g.
Einteilungen insofern auch nicht statisch, sondern
entsprechenden Wissenschaftsbereichen entlehnt sind und somit
möglicherweise selbst wieder einer Revision unterliegen können. Sie sollten
aber - im Verständnis eines
theoretischen Modells - für eine Annäherung genügen können.
Nach Müller/Knoll
könnte man die Symbole für die psychologische Arbeit auch hinsichtlich ihrer
Funktionsweisen folgendermaßen untergliedern[8]:
a)
Kompensatorische
Funktion
b)
Eigenaspekte/Subjektstufe
c)
Fremdaspekte/Objektstufe
d)
Globalaspekte
Abschließend ist hier zu sagen,
dass sich derart die Möglichkeit der wissenschaftlichen Überprüfung
hinsichtlich des Inhalts, der Verwendung und ggf. der Wirk- und Funktionsweise
von Symbolen ergibt. Es besteht die Gelegenheit empirischer Untersuchung. Siehe
hierzu unter: Symbolforschung
[1] Allerdings findet sich auch im Bereich der Sprachwissenschaft keine einheitliche Einteilung, so dass hier andere Zuordnungen und Einteilungen denkbar sind.
[2] Bei der Synekdoche sind der verwendete Begriff und das Bezeichnete eng miteinander verwandt. Aber die Synekdoche verkörpert nur einen Teil des Bezeichneten, ist sozusagen weniger ("Er steht unter dem Pantoffel", Pantoffel = Frau), oder geht weit über das Bezeichnete hinaus ("Er kam um durch das Eisen", Eisen = Schwert). "Man versteht unter einem kleinen Teil das Ganze oder unter dem Ganzen einen Teil", so brachte Cicero dies Verfahren auf den Punkt. Statt des Vielfachen steht das Einfache ("der Römer" für die Gesamtheit aller Römer), statt der Einzahl die Mehrzahl ("Wir haben das Volk beeindruckt und uns als Redner erzeigt", sagte Cicero, obwohl er nur von sich sprach), statt der Gattung die Art (Sterbliche für Menschen), statt der Art ein Exemplar, statt der Art die Gattung (Brot für den gesamten Lebensunterhalt), und ein Teil steht statt des Ganzen ("Komm unter mein Dach", Dach = Haus). Diese besonders häufige Variante ist demnach auch als pars pro toto bekannt
[3] Bei der Metonymie stehen
ersetzter und ersetzender Ausdruck in einem reellen Zusammenhang, und nicht
nur, wie bei der Metapher, in einer begrifflichen Beziehung.
Realer Zusammenhang heißt: räumlicher, zeitlicher
oder kausaler (= Ursache – Wirkung) Zusammenhang.
Beispiele: ”Berlin meldet, dass...“ (Der Regierungssprecher hat seiner Sitz in Berlin = räumlicher Zusammenhang) “Das 16. Jahrhundert erlebte Englands Aufstieg zur Weltmacht.“ Das “16. Jahrhundert“ steht für “die Menschen im 16. Jahrhundert“ (zeitlicher Zusammenhang)
[4] Syssiphos als Sinnbild für den sich mühenden Menschen
[5] Sterben und Tod als Übergang in das Paradies/Elysium
[6] Sterben und Tod als Übergang in die Hölle/Tartarus
[7] Totems, Krafttiere, Mars – als mythische Figur und Persönlichkeitseigenschaft eines Planeten
[8] Siehe hierzu: Ins Innere der Dinge schauen, S. 200 ff